Beim 2. Winterabend der Saison zum 35. Jahrestag der Grenzöffnung las Karin Bottke aus ihrem Buch „Helmstedter Grenzgedanken“. Dieses hatte sie bereits zum 25. Jahrestag geschrieben, um die Erinnerung an die ehemalige DDR und die Grenze zu wach zu halten.
Karin Bottke wurde 1948 in Helmstedt geboren und ist dort im Schatten des Eisernen Vorhangs aufgewachsen. Dies prägte ihre ganze Kindheit, was sie in ihrem Buch mit eigenen Jugenderinnerungen und Erlebnissen aufgeschrieben hat. Bei der Lesung rührte sie mit ihren kindlichen Fragen und Gedanken die Zuhörer. Besonders auf die Frage „wer sind die da drüben“ konnte Onkel Ernst nichts besonderes berichten. Das konnte die 12- jährige Karin dann auch selber sehen, als sie die Fahrt zu ihrem Onkel nach Berlin antrat.
Zwischen den Geschichten erfüllten die Melodien der Zither von Ulrich Zander den Raum und wärmten die Gemüter. Passend zur Berliner Luft spielte er dann ein Tango.
In ihren Texten setzte sich Karin Bottke auch mit ihrer Heimatstadt Helmstedt auseinander, teils amüsant und ironisch, teilweise auch melancholisch. Diese wurde immer nur mit der Grenze an der Autobahn nach Berlin in Verbindung gebracht, dabei war doch Hannover mit dieser Autobahn viel schneller zu erreichen. Manchmal lag Helmstedt aber auch am Braukohle-Tagebau, der gleichzeitig von Ost und West ausgebeutet wurde.
Der Zitherspieler Ulrich Zander aus Werlaburgdorf war selber früher als Zöllner in Wittingen und Braunlage tätig und erzählte seine Erinnerung: Am Sonntag standen immer viele Westler bei Wittingen an dem Aussichtspunkt im Westen und schauten über die Grenze. Eine alte Frau, deren Haus in der DDR direkt am Grenzzaun stand, schaute rechts und links aus dem Fenster. Als sie sah das keine VoPos in der Nähe waren, traute sie sich herüber zu winken. „Was war das für eine Welt, wo man Angst hatte zu winken“, bemerkte er betroffen. Diese Frage animierte auch andere Zuhörer ihre eigenen Erinnerungen beizutragen. Carlo Schmidt berichtete über eine Begebenheit, als er beim Bundesgrenzschutz im Harz Dienst tat. Damals kam er mit einem Grenzsoldaten von drüben ins Gespräch. In dessen Verlauf tauschten sie auch kurz zum Anschauen die Kalaschnikow gegen das G1 aus. Solche menschlichen Begegnungen gab es zum Glück auch.
Nach diesem kurzweiligen Vortrag bedankte sich die 1. Vorsitzende Dorothee Schacht ganz herzlich mit einem kleinen Präsent bei den beiden Vortragenden.
Bei Tee und Glühwein wurden dann noch weitere Erinnerungen ausgetauscht. Daneben wurden auch die vielen andere Bücher von ihr und aus ihrer Schreibwerkstadt unter die Lupe genommen. Besonders fielen die tolle Gestaltung und Illustrationen ins Auge.

