Heimathaus Schladen

Winterabend „Neues von der Isiburg“ von Wolf-Dieter Steinmetz zog zahlreiche Gäste an

D. Schacht überreicht ein Präsent an Wolf- D. Steinmetz für den gelungen Vortrag.

am 13. März 2026 um 19 Uhr

Der Förderkreis Heimathaus Alte Mühle e.V. hatte zum letzten Winterabend dieser Saison eingeladen. „Neues von der Isiburg“ lautete das Vortragsthema. Die engagierte Vorsitzende Fördervereins, Dorothee Schacht, begrüßte erfreut zahlreiche Interessierte aus vielen Orten. Ihr besonderer Willkommensgruß galt dem Archäologie – Oberkustos i. R., Wolf – Dieter Steinmetz, der bis vor wenigen Jahren in Wolfenbüttel wohnte.

Er und viele Freunde der Archäologie im Braunschweiger Land (FABL) gruben, schaufelten und forschten in ehrenamtlicher Wochenendarbeit von 2006 bis 2017 im Bereich der auf alten Karten als „Schwedenschanze“ erwähnten jungbronzezeitlichen Burganlage. Danach wertete Steinmetz das reichhaltige Ausgrabungsmaterial aus, was er immer noch macht. Anwesend war auch Christian Meyer aus Hornburg. Er und seine Eltern Annemarie und Alfred Meyer stellten damals die Ackerflächen, auf denen gegraben wurde, zur Verfügung. Alle waren sehr interessiert gewesen.

„Die Nutzung der Befestigung erstreckt sich von der Jüngeren Bronzezeit bis über die Späte Bronze – bis in die Frühe Eisenzeit“, informierte der bekannte Archäologe. Das ist von etwa 1200 bis 600 vor Christi Geburt. Nach der Gründersiedlung gab es fünf Befestigungen und eine Wiedereinrichtung, die 30 Jahre vor bis 20 Jahre nach Christi Bestand hatte. Die Außenmaße betrugen in der Nord – Südausdehnung etwa 190 Meter, in der West- Ostbreite mindestens 140 Meter. „In beiden Befestigungsringen konnten wir zwei Tore nachweisen, die aber keinen Bezug zueinander hatten. Beide Grabenzüge bestanden nicht gleichzeitig“, erwähnte Steinmetz, der geeignete Fotos einsetzte. Er hatte sehr aufmerksame und interessierte Besucher vor sich, die zum Schluss einige Fragen stellten.

Benachbarte bronzezeitliche Wehranlagen sind die „Hünenburg“ bei Watenstedt, die „Alte Burg“ bei Röderhof (Huy) und die Burg auf dem Schlossberg bei Quedlinburg gewesen. Die Burg mit einer nachgewiesenen befestigten Außensiedlung bei Isingerode lag auf einer Hochfläche, die durch versumpfte Flussniederungen und im Osten durch den Großen Fallstein sowie das Flussfeld der Ilse räumlich ausgeprägt gewesen ist.

Neue Forschungen haben ergeben, dass die Wehrmauer der Burg bei Isingerode die gesamte Anlage umschlossen hatte. Die Wallhöhe betrug mindestens 2,30 Meter. „Ich bin überzeugt, dass hier in der Umgebung unterschiedliche Stämme lebten“, betonte der Referent. Die Oker bildete eine Grenze.

Auf die Burgzerstörer bezogen sagte Wolf -Dieter Steinmetz: „Denkbar wären die benachbarten, angrenzenden Zentren. Es dürfte um die Kontrolle über die Markthoheit, den Warenhandel, die Fernwege und vielleicht territoriale Ansprüche gegangen sein.“ Feinde könnte es auch westlich der Oker gegeben haben. Die Bewohner der „Isiburg“ gehörten zur Saalemündungs- Kulturgruppe. Steinmetz ließ aufhorchen: „In Klein Mahner wurde ein Grabhügel okkupiert, um in ihm ein Steinkammergrab nach Sitte mit typischen Beigaben der Saalemündungsgruppe einzubringen.“ Allerdings wurde dieses Elitengrab von den dortigen Bewohnern bald wieder zerstört.

Der Neubau einer früheisenzeitlichen Befestigung (750/700 bis 600/550 vor Chr.) markiert bei Isingerode einen gravierenden historischen Umbruch: der neue Verteidigungsring wurde nicht, wie vorher, auf den Ruinen des Vorgängerbaus errichtet, sondern außen vor die bisherige Walllinie verlegt. Steinmetz hierzu: „Der Wiederaufbau erfolgte nicht unmittelbar nach Zerstörung der Vorgängeranlage.“ Dieser Neuaufbau erfolgte somit am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit. Die Saalemündungskulturgruppe entwickelte sich kontinuierlich zur eisenzeitlichen Haus- und Gesichtsurnenkultur. Steinmetz: „Eine ganze Reihe von Dorfgründungen fanden jetzt statt.“

Wolf – Dieter Steinmetz ging auf eine ovale Grube ein, die an den Innenwänden mit einer starken Lehm – Flechtwerkschicht ausgekleidet war. Hier wurde eine steinerne Gussform für Ringschmuck geborgen. Ein steinernes Waagegewicht kam ebenfalls ans Tageslicht. Belegt ist somit das Bronzegießerhandwerk. Webgewichte und Spinnwirtel weisen auf ein anderes Handwerk hin. Bei einer genauen Durchsicht der Funde konnte ein Salzsiederständer erkannt werden. Vermutlich wurde die Sole aus Quellen bei Salzgitter oder Barnstorf erworben, transportiert und erst hier gesotten. Auch südlich des Fallsteins an der Ilse gab es eine Solequelle.

Bäuerliche Betriebe sind im Außenbereich der Burgsiedlung zur Sicherung der Nahrungsquelle erforderlich gewesen. Viehhaltung gab es in den feuchten Niederungen. Die Braunschweiger Osteologin Silke Grefen – Peters bestimmte die Tierknochen. Hauptsächlich gab es Rinder, auch Schweine, Schafe, Ziegen und Hunde. Ein hoher Wildtieranteil (Bär, Bieber, Wildrind, Wolf) konnte ebenfalls nachgewiesen werden. „Von historischer Bedeutung ist das Vorhandensein von Pferdeknochen “, betonte der 1953 geborene Steinmetz.

Im umfangreichen Fundmaterial können weitreichende Handelsbeziehungen nachgewiesen werden: Keramik aus Nord- und Südwestdeutschland, der Schweiz, aus Böhmen und den Ostalpen; Bronzeobjekte aus Böhmen, den Ostalpen und mittleren Donauraum, eine Bronzesichel aus dem Kulturraum der mittleren Oder. „Eine Geschossspitze aus Geweih mit besten Parallelen aus dem Alpengebiet ist vorhanden“, ließ der Referent ebenfalls aufhorchen.

Viele dieser wichtigen Verkehrszentren endeten in Brandkatastrophen. „ Erneut wurde eine alte, aber umstrittene These aufgegriffen: Zerstörung durch skythische Reiterkrieger aus dem Osten bei Beutezügen zu den reichen Marktplätzen“, erwähnte Steinmetz. Archäologisch sind derartige Überfälle bis in das Gebiet um Oder und Neiße nachgewiesen. „Wer weiß, was zukünftige Entdeckungen und Forschungen bringen werden“, ergänzte der Archäologe.

Nach seinen Worten konnten Fragen zur äußeren Wehranlage und Innenbebauung, zum Verhältnis der östlich liegenden „Hünenburg“ und Siedlungsgebiet der Leine-Innerste-Berglandgruppe noch nicht zufriedenstellend geklärt werden. „Eine Fortsetzung der Ausgrabungen wurde von den zuständigen Institutionen untersagt“, betonte Wolf – Dieter Steinmetz.

Nach Beendigung der ausführlichen Grabungsberichte könnte es problemlos möglich werden, archäologische Untersuchungen im Bereich der „Schwedenschanze“ („Isiburg“) in ferne Zeiten erneut aufzunehmen. Bisher hätten die erfolgreichen Ausgrabungen zu erstaunlichen historischen Erkenntnissen geführt. Das Interesse in der Bevölkerung ist immer sehr groß gewesen. Für den spannenden und gelungenen Vortrag gab es von den interessierten Besuchern den verdienten Applaus und von Dorothee Schacht eine kleine Anerkennung.

Text und Fotos: Bernd – Uwe Meyer

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